Ford Edge

Einleitung und Rückblick

Der Ford Edge soll ab 2016 endlich auch in Europa den Markt der großen SUV aufräumen.
Für manchen Geschmack zwar etwas spät, aber seit etlichen Dekaden heißt es ja immer gern: „Was lange währt, wird endlich gut.“.
Ob es wirklich gut wird, muss dann die Gunst der potentiellen Kunden entscheiden und in der Folge die nackten Zahlen.
Bisher ist Ford da relativ verwöhnt.
Der Ford Edge ist nämlich eigentlich nicht wirklich neu.
Das nunmehr im Marketing des Herstellers als „innovatives Premium-SUV“ angepriesene Fahrzeug existiert formal bereits als Bereicherung des amerikanischen Crossover- oder CUV-Segmentes (Compact oder Crossover Utility Vehicle) seit 2006 und in mehr oder weniger dritter Generation.

 

Obwohl diese als Europa-Version erst ab Januar 2016 im kanadischen Oakville, Ontario produziert wird, um die Lieferung ab Juni 2016 sicherzustellen, haben die dortigen Produktionsteams schon reichlich Erfahrung mit dem Edge. Seinerzeit hat er Ford USA einen waschechten Bestseller beschert, der 2011 schon einmal ausgesprochen gründlich renoviert wurde (daher vermeintlich „dritte Generation“) und bis inklusive 2014 allein in den USA fast 1 Mio. Mal verkauft werden konnte. Auch in Kanada, einigen Teilen Südamerikas und Asiens wurde er gern geordert.

 

Mit der neuen Plattform CD4 ist der Edge auch tatsächlich erstmalig mit dem hiesigen Mondeo verwandt, was beim Vorgänger (CD3) nicht der Fall war. Unter anderem von Ford Fusion und Mazda 6 (US) verwendet, gab es noch keine Parallelen zu europäischen Modellen.

Auf einer Presse-Konferenz in Leverkusen im Jahre 2010 wurden sowohl Edge als auch Taurus (eine in den USA fest etablierte und marktstarke Limousine der gehobenen Mittelklasse; hier als möglicher Scorpio-Erbe oberhalb des Mondeo) für Europa noch heftig dementiert und sorgte die Nachfrage auch für außerordentliche Verwirrung unter der Gesamtheit der anwesenden Journalisten.

 

Nun, vielleicht hat sie auch Ideen geweckt, passt die Adaption doch eigentlich hervorragend in das aktuelle Global Car Concept des Herstellers, das z.B. mitFocus und Mondeo/Fusion (so heißt der Mondeo in den USA) - von der enormen Verzögerung der Mondeo-Markteinführung in Europa mal abgesehen - erfolgreich umgesetzt wurde.

Der Markt und mögliche Konkurrenten

Manchenorts heißt es, der Edge soll eine neue Konkurrenz zu den etablierten großen SUV á la Mercedes GLE, BMW X5, Audi Q7 oder VW Touaregbilden. Anhand von Ausmaßen (4,81m x 1,93m x 1,70m), dem Platzangebot und der Platzierung seitens Ford klar oberhalb des Kuga könnte man dies vermuten, dürfte faktisch aber relativ unrealistisch sein.

 

Unterstützt wird diese These auch beim Blick auf die Preise, kostet ein GLE als „nackiger“ 250d doch bereits fast 54.000 EUR, ein BMW X5 54.300 EUR, der Q7 in der neuesten Auflage gar 58.000 EUR und auch ein Touareg mindestens 53.050 EUR.
Q7 und Touareg warten bei dem Preis allerdings mit Allradantrieb auf, während die anderen beiden noblen Konkurrenten frontgetrieben sind.
Der Q7 bietet als einziger von allen die 7-Sitzer-Option bei mehr Außenlänge. 
Neben dem gewissen Prestige haben alle dem Edge auch das ein oder andere "Pferdchen" voraus: 
Er startet bei 42.900 EUR mit 180PS-Diesel und serienmäßiger bedarfsgerechter Kraftverteilung an alle vier Räder.
So haben die anderen je 24 (250d, 3.0 TDI SCR BMT), 51 (X5 sdrive 25d) oder 38 (ultra 3.0 TDI quattro) PS mehr Motornennleistung.

 

Stattet man das vorgenannte Premium-Quartett „marktgängig“ aus, kommen zum Basispreis zügig mal 20.000 EUR und auch deutlich mehr dazu.
Aktuell in Audi-Bauten ausgestellte Q7 zeigen gerne mal sechsstellige Summen in der Fahrzeugbeschreibung.

 

Selbst in der im Basispreis teuersten Sport-Variante mit 210PS, Powershift-Automatik und neben der teuersten Lackierung (arktisweiß metallic) mit allen derzeit verfügbaren Optionen oder auch alternativ als ähnlich vollausgestatteter Titanium (u.a. Volllederausstattung und 20-Zoll-Räder) kostet der Edge dagegen um 65.000 EUR.

Da wird deutlich, dass man sich da gern mal eine Klasse weiter unten orientieren kann.
Ein MB GLC 220d kostet mit 170PS und 4matic immerhin 44.506 EUR, ein BMW X3 xdrive 20d mit 190PS ab 41.900 EUR 
und schließlich der Audi Q5 2.0 TDI quattro mit ebenfalls 190PS auch schon 41.800 EUR.

 

Hier punktet der Edge dann aber in mehrfacher Hinsicht.
1. Er ist das größere Fahrzeug mit dem mitunter deutlich besseren Platzangebot.
2. Ist er selbst in der Basis Trend ordentlich ausgestattet. Heißt: Neben einigen Komfort-Elementen wie Start-Stopp-System, 2-Zonen-Klima-Automatik, Abbiegelicht, Multifunktions-Lederlenkrad, Verkehrsschild-Erkennung und anderem, gehören auch zahlreiche Fahrassistenzsysteme und knackige 19-Zoll-Räder zum Lieferprogramm.

Es bleibt aber anzumerken, dass z.B. der Q5 in 2016 ebenfalls in neuer Generation in den Startlöchern steht und wachsen wird.
Die Konkurrenz schläft also nicht.

 

Nachteilig und womöglich strategisch ungeschickt dürfte trotz hohem Dieselanteil sein, dass der Edge zum Marktstart in Deutschland ausschließlich mit zwei Dieselmotoren zu haben sein wird und die schwächere Variante nicht mit einem Automatikgetriebe kombinierbar ist. 

 

Beides ist nur schwer nachvollziehbar, da der in den USA gängige 3.5L V6 mit 284PS hierzulande zwar keine echte Chance haben dürfte, aber der 2.0L EcoBoost mit dort 248PS ist hier bereits aus anderen Modellen bekannt und auch der 2.7L EcoBoost in der amerikanischen Sport-Variante klingt mit unter anderem 319PS Nennleistung sehr vielversprechend.

 

Selbst bei womöglich geringen Abnahmezahlen wäre der Prestige-Effekt zur Markteinführung wohl nicht zu verachten gewesen und faktisch rechnet sich ein Dieselmotor nun mal nicht für jedermann, zumal Benzin-Motoren in den letzten Jahren an Effizienz gewonnen haben und neben dem Verbrauch noch andere Kostenfaktoren zu beachten sind.

In der Regel sind Benzin-getriebene Derivate im Grundpreis niedriger angesiedelt und genießen aufgrund des zu erwartenden geringeren Marktanteiles (und damit geringeren Schadenquoten) günstigere Versicherungseinstufungen.

 

Bezüglich der Automatik erscheint die Ausstattungspolitik hier als eine Art Marketing-Trick, bei dem sich der Kölner Autobauer in Acht nehmen muss sich nicht selbst „reinzulegen“. 
Die gute Basis Trend ist nur mit der schwächeren der beiden Varianten des bewährten 2.0 TDCI erhältlich und auch nur mit Schaltgetriebe.

Wer den stärkeren 210-PS-Bi-Turbo oder eben einfach nur ein Automatikgetriebe bevorzugt, muss zum Titanium oder Sport greifen.
Allein der Schritt zum Titanium, wenn auch ausstattungsbedingt mitunter reizvoll, kostet 3.700 EUR, 
der stärkere Motor mit Automatik dann schlussendlich mindestens 50.100 EUR. Das sind effektiv 7.200 EUR Aufpreis zur Basis Trend.
Das könnte manchen Familienvater und Dienstwagenfahrer abschrecken und anderweitig umschauen lassen.

 

Besonders clever erscheint das erstmal nicht, zumal ein Ford S-Max 2.0 TDCI mit 180 PS, Powershift und Allradantrieb vergleichweise ab knapp unter 37.000 EUR als Titanium oder Business Edition zu haben ist. 
Hier verbaut sich Ford beim Edge möglicherweise eine ertragreiche Schiene.

Jaguar löst das hier anders: Der F-Pace 20d mit 180 PS ist je wahlweise mit oder ohne Allrad und mit Schalt- oder Automatikgetriebe verfügbar. Die Preise starten bei 42.390 EUR. Der AWD mit 8-Gang Automatik kostet ab 47.490 EUR und es sind vom Start weg auch prestigeträchtig potentere Motorisierungen (300PS+) und zahlreiche Ausstattungsvarianten verfügbar.
Da sollte Ford aufpassen, dass eine ebenfalls attraktiv gezeichnete „Katze“ mit gehobenem Anspruch nicht dem Edge die Show stiehlt, denn diese wird theoretisch auch rund drei Monate früher verfügbar sein (Offizieller Marktstart: März 2016).

"Haarig" wird es unter Umständen auch in mehrfacher Hinsicht, wenn man asiatische Mitbewerber mit in die Betrachtung zieht: 
Ob ein potentieller Edge-Interessent dies auch tun wird oder würde, steht - wie immer - auf einem anderen Blatt, ist aber keinesfalls auszuschließen.
Zum Beispiel der KIA Sorento bietet ebenfalls wandlungsreiche Optionen. Zwar gibt es hier nur eine einzige Motorisierung in Form eines 2.2L Diesel mit 200PS, aber der Wagen ist in zahlreichen Ausstattungsvarianten, mit Schalt- oder Automatikgetriebe und mit oder ohne Allradantrieb verfügbar.
Die Preise starten bei rund 35.000 EUR. Als Platinum kostet der Sorento zwar schon mindestens 51.190 EUR, ist dann aber mit Allrad, Automatik und umfangreicher Serienausstattung gesegnet, die selbst mit einigen Optionen (u.a. Dritte Sitzreihe) noch unter 55.000 EUR bleibt.

Den Hyundai Santa Fe gibt es dann gleich in zwei Varianten: Santa Fe und Grand Santa Fe. 
Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich beim Grand Santa Fe um eine Variante mit dritter Sitzreihe.
Während der Santa Fe auch mit Basis-Ausstattung ab 29.990 EUR (Benzin) bzw. 33.520 EUR (Diesel) zu haben ist, gibt es den Grand Santa Fe erst ab mittlerer Ausstattungsvariante für stolze 46.700 EUR aufwärts. 200PS-Diesel, Automatik und AWD sind dann aber auch hier zwingend Serie.
Selbst als Premium bleibt er, wie der Sorento, insgesamt unter 55.000 EUR.

Besonders spannend könnte die Einordnung des Ford Edge werden, wenn in einem großen Vergleich mögliche Kandidaten gemeinsam einem Praxistest unterzogen werden können, in dem Alltagstauglichkeit á la Fahrqualitäten, Platzangebot, Ambiente und andere Werte direkt verglichen werden können.
Möglicher Titel: Der Große Vergleichstest - Große Diesel-SUV für 55.000 EUR

Technische Daten und Preise

Länge: 4.808mm
Breite (mit Spiegel): 1.928mm (2.184mm)
Höhe (mit Reling): 1.692mm (1.707mm)
Radstand: 2849mm
Gepäckraumvolumen bis Abdeckung: 507 / 602 Liter (ab Produktion März 2016)
Gepäckraumvolumen, Dachhoch: 800 Liter
Gepäckraumvolumen, Dach (Rücksitze geklappt): 1.847 Liter
Tankinhalt: 64 Liter
Wendekreis: 11,9m
2 Jahre Neuwagengarantie inkl. Mobilitätsgarantie ; 12 Jahre Garantie gegen Durchrostung

 

Motorvariante

 

 

 

2.0 TDCI

 (ab

42.900 EUR)

2.0 TDCI Bi-Turbo 

(ab

50.100 EUR)

 

Hubraum:

 

1.997ccm 1.997ccm

 

Antrieb:

 

AWD AWD

 

 

Getriebe:

 

 

 

6-Gang-Schaltgetr. Powershift-Automatik (Doppelkupplung)

 

Leistung:

 

132kW/ 180PS 154kW / 210PS

 

Drehmoment:

 

400Nm 450Nm

 

Höchstgeschw.:

 

200km/h 211km/h

 

Beschleunigung 0-100km/h

 

9,9sec 9,4sec

 

Emissionen in g/km

 

149 149

 

Verbrauch (in/außer/komb)

 

6,4 / 5,4 / 5,8 Liter/100km 6,4 / 5,4 / 5,8 Liter/100km

 

EG-Leergewicht

 

1.912kg 1.949kg

 

Zul. GesGew

 

2.505kg 2.555kg

 

Zul. GesZugGew

(12% / 8% Steig)

 

4.505kg / 4.705kg 4.555kg / 4.755kg

 

Anhängelast, gebr. (12% / 8% Steig)

 

2.000kg / 2.200kg 2.000kg / 2.200kg

 

Anhängelast, ungebr.

 

750kg 750kg

 

Ausstattungsvariante 

 

Trend
(ab

42.900 EUR)

Titanium
(ab

46.600 EUR)

Sport
(ab

49.050 EUR)

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