Generationen Ford Fiesta

Zeit für eine "kleine" Story.
Schon eine Weile plane ich daran rum, würde auch am liebsten einen Video-Beitrag darüber drehen, aber das ist gar nicht so einfach, denn gut erhaltene Exemplare aus der langen Zeit an einen Ort zu bekommen, ist schon ernster logistischer Aufwand. Aber man soll ja nie "nie" sagen.

 

Es geht nämlich um einen "alten Mann".
Nein, ich meine keine Person, vielmehr hat er vier Räder, wie sich das für diesen Blog gehört.

 

EINLEITUNG

Gemessen am Modellnamen, ist der Ford Fiesta nämlich das Modell im PKW-Segment, dem Ford bisher am längsten die Treue hält, zumindest in Europa.
Für 2017 hat Ford nun die achte Generation des Kleinwagens vorgestellt.
Allerdings ist diese Feststellung schon wieder leicht problematisch, denn insgeheim, ganz genau genommen, kann man diese achte Generation auch als weiteres Facelift bezeichnen. Daher spricht man in Fan-Kreisen auch gerne scherzhaft vom Mk.7.5 oder Mk.7.75, statt vom Mk.8 und in Großbritannien (aufgrund einiger Unterschiede in der Modellentwicklung) gar vom Mk.6.5/6.75/7.
Kompliziert.

 

Trotzdem hat der Fiesta inzwischen unabsprechbar eine lange Tradition vorzuweisen.
Die erste Generation wurde ab 1976 gebaut und hatte auch keinen Vorgänger in dem Sinne.
Nach der ersten Ölkrise Anfang der 70er Jahre ging die Nachfrage nach Kleinwagen nämlich kontinuierlich nach oben.

 

Ford erkannte allerdings schon Ende der 60er Jahre den Bedarf und das Fehlen eines passenden Angebotes und entwickelte über 7 Jahre an dem neuen Format unter Zuhilfenahme eines dreistelligen Millionen-Budgets und dem Projektnamen "Bobcat".


Auf den Namen "Fiesta" fiel die Entscheidung damals aufgrund der neuen Verbindungen mit Spanien. Dort wurde nämlich in der Nähe von Valencia eigens für ihn ein Werk errichtet und vom spanischen König persönlich eröffnet.

 

Über 15 Millionen Stück wurden bislang gebaut, davon 8 Millionen in Köln. Das ist doch mal einen Beitrag Wert.

 

 

Fiesta Mk.1 (1976 bis 1983)

1976 kam somit der Mk.1 auf den Markt und wurde mit 4 Benzinmotoren zwischen 1.0 und 1.6 Liter mit Leistungen zwischen 40 und 85PS angeboten.

 

Wichtige Konkurrenten, wie z.B. Opel, boten einen Wagen in der Größe erst Jahre später an (Corsa kam erst 1982) und so hatte er nur VW Polo/Audi 50 und einige Mitstreiter aus dem europäischen Ausland als Konkurrenten (z.B. Renault 5) und wurde so zum Erfolg.

 

Ab 1977 gab es auch eine US-Version und 1981 ein kleines Facelift.

Ford Fiesta Mk.2 (1983 bis 1989)

1983 kam dann der Nachfolger Mk.2, der zwar viele Teile des Vorgängers weiter verwendete, aber trotzdem als neues Modell galt.
Frontpartie und Innenraum wurden neu gestaltet, die Motoren wurden stärker (45-97PS) und es kam ein Diesel dazu (1.6 mit 54PS).

 

1986 gab es ein kleines Facelift mit dem auch einige technische Neuerungen Einzug hielten.

Einige Motoren erhielten Katalysatoren, ab 1987 auch G-Kat und erste Motoren hatten Einspritzsysteme, statt Vergaser.
Im gleichen Jahr war das erste Mal auch eine Automatik verfügbar.

Ford Fiesta Mk.3 (1989 bis 1996)

Mit dem Mk.3 ab 1989 verschwand die Starrachse hinten und es gab ABS, Seitenaufprallschutz, Airbag und zahlreiche andere technische Neuheiten, da der Fiesta völlig neu entwickelt wurde.
 

Wichtigste Neuerung war wohl eine neue Karosserievariante: Der 5-Türer.
 

Aber auch Komfortmerkmale, wie Klimaanlage, Frontscheibenheizung, etc. kamen dazu.
 

Die 1.0 Liter Motoren flogen aus dem Programm und es gab von nun an auch MPI-Motoren (MultiPointInjection). Zusätzlich hielten die modernen 16-Ventiler der Zetec-E-Baureihe Einzug, die 88 bis 130PS (XR2i 16v) leisteten. Ansonsten ging es bei 54PS los und der Diesel war nun ein 1.8d mit 60PS.
 

1994 kam ein ganz kleines Facelift.

Ford Fiesta Mk.4 (1996 bis 1999)

1996 wurde er vom Mk.4 abgelöst, der von nun an übrigens nicht mehr der kleinste PKW in der Modellpalette war.
Diese Rolle übernahm ab sofort der Ford Ka.
 

Einige Fiestas wurden markentypisch modifiziert und im Rahmen eines Joint Venture als Mazda 121 ausgeliefert.
 

Ab 1997 gab es auch eine sportliche Coupé-Variante namens Ford Puma.
 

Die Bodengruppe des Fiesta hatte sich übrigens gar nicht groß verändert.
Letztlich handelte es sich um feine technische Verbesserungen und eine neue Karosserie.
 

Kräftig zusammengestrichen wurde die Motorenpalette.
Nun gab es nur noch 1.25 bis 1.4 Liter Benziner mit 50 bis 90PS und einen 1.8 Liter Diesel mit 60PS, den man vom Vorgänger auch schon kannte.

Ford Fiesta Mk.5 (1999 bis 2001)

Mit dem Fiesta Mk.5 wurde es zum ersten Mal wirklich schwierig.

In manchen Ländern wurde er offiziell als neues Modell anerkannt, in manchen jedoch nicht, da er weitestgehend dem Vorgänger entsprach und nur vorsichtig modernisiert wurde.
 

Die Motorenpalette ist ebenfalls ähnlich karg, wurde sogar um den 1.4 Liter Benziner weiter ausgedünnt.
Allerdings wurde der Diesel nun auch in Deutschland in einer Variante mit Turbolader angeboten.
 

Auf der Habenseite gibt es noch innen belüftete Scheibenbremsen vorne und Seitenairbags zu verbuchen sowie eine Sport-Version ab 2000, die sich auch optisch unterschied und einen 1.6 Liter 16V Zetec-SE mit 103PS in sich trug.
 

Auch vom Mk.5 gab es eine Mazda 121-Version.

Ford Fiesta Mk.6 (2001 bis 2008)

2002 kam der Mk.6.
Dieser wurde nun völlig neu entwickelt und auf eine neue Plattform gestellt.
Er war auch deutlich größer als sein Vorgänger und bot damit mehr Platz und einen höherwertiger anmutenden Innenraum.
Der 5-Türer kam auch zuerst auf den Markt, der 3-Türer erst einige Monate später.
 

Deutlich verbessert wurde auch die Serienausstattung durch EBV (elektr. Bremskraftverteilung) und vier Airbags, weitere gegen Aufpreis.
 

Die Motorenpalette wurde ebenfalls deutlich verbessert.
Die Duratec-Motoren hielten Einzug.
Sie hatten 1.3 bis 1.6 Liter Hubraum und leisteten zwischen 60 und 100PS. Der Duratec-HE aus anderen Modellen wurde zum Duratec-ST leicht verändert. Es blieb bei 2 Liter Hubraum, aber die Leistung stieg auf 150PS und wurde für niemand geringeren hergehalten als für den Ford Fiesta ST, der sich optisch und ausstattungsmäßig abhob.
Dieser kam aber erst mit dem Facelift 2005.
 

Auch die Dieselmotoren waren nun konkurrenzfähig.
Mit PSA zusammen entwickelte man die Duratorq-Reihe.
Im Fiesta kam der 1.4 TDCI mit 68PS und der größere 1.6 TDCI mit 90PS zum Einsatz.

Ersterer war auch mit Automatik zu haben.

Ford Fiesta Mk.7 (2008 bis 2017)

Seit 2008 ist der Fiesta Mk.7 auf dem Markt.
Auch er wurde völlig neu entwickelt.
Neben der neu und deutlich moderner gestalteten Karosserie
wurden Technik und Serienausstattung deutlich verbessert.
ABS sowieso, aber auch ESP mit Bremsassistent, Knieairbag, E-Spiegel und Zentralverriegelung waren bei allen Modellen serienmäßig an Bord, um nur die wichtigsten Elemente zu nennen.

 

Auch das Motorenangebot ist seitdem wieder reichhaltig und reicht von 3-Zylinder-Motoren mit 1.0 Liter Hubraum (65 bis 80PS), die aber teilweise auch mit Turbo angeboten werden (EcoBooster) und bis zu 140PS leisten, bis zu den 1.6 Liter EcoBoost-Triebwerken des ST (2013) und ST200 (2016), die je nach Variante 182PS und inklusive OverBoost-Funktion bis zu 215PS leisten.
Auch eine LPG-Version mit 1.4 Liter Hubraum und 92PS gab es.

 

Die Dieselpalette bestand zunächst nur aus einem 1.6 TDCI mit 75PS bzw. 90PS. Zu späteren Zeitpunkten kamen 1.4 TDCI bzw. 1.5 TDCI mit 70 bzw. 75PS dazu und der 1.6 TDCI leistete dann 95PS. Alle Diesel hatten/haben Partikelfilter und waren/sind zum Teil auch als ECOnetic-Version verfügbar.
 

2012 gab es bereits ein großes Facelift.

 

Neben der Front und dem Innenraum wurde auch die Motorenpalette modernisiert, auch das Fahrwerk, die Airbag-Ausstattung und Assistenzsysteme wurden verfügbar.

Auch hier wird sehr häufig vom Mk.7.5 gesprochen.

 

Interessant:

Seit 2011 wird der Fiesta weltweit an SECHS verschiedenen Standorten gefertigt:

Köln-Niehl (Deutschland),

Almussafes-Valencia (Spanien),

Cuautitlán Izcalli (Mexiko),

Chennai (Indien)

Rayong (Thailand) und

Nanjing (China).

Ford Fiesta Mk.8 (ab 2017)

Der Mk.8 (Für die Bezeichnung habe ich mich nun entschieden, da sie sich wahrscheinlich durchsetzen wird) wird erst gegen Mitte 2017 verfügbar sein.
Zwar wurde einiges deutlich überarbeitet, aber die Plattform bleibt gleich und die Karosserie wurde nur leicht überarbeitet.
Scheinwerfer und Kühlergrill sind leicht different ausgeformt.

 

Im Innenraum kommen höherwertige Materialien zum Einsatz und die Palette der Ausstattungsvarianten wurde neu aufgestellt.

 

Desweiteren wird es zahlreiche Individualisierungsoptionen geben.
In der Ausstattungsliste neu ist z.B. ein großes Panorama-Glas-Schiebedach, ein Premium-Soundsystem von Bang&Olufsen mit bis zu 675 Watt, Sync 3 mit 8Zoll-HD-Touchscreen, ein Pre-Collision-Assistent mit Nacht-Modus und ein aktiver Parkassistent.
Insgesamt werden 15 Assistenzsysteme verfügbar sein. Einige schon bekannte wurden überarbeitet.

 

Ford möchte vor allem unterstreichen, dass in allen Punkten die sichtbare Qualität zugenommen hat. Sowohl innen, als auch außen sind weniger Befestigungspunkte und Spaltmaße zu sehen und bilden mehr Teile eine zusammenhängende Oberfläche. Durch gezielte Maßnahmen wurden vielerlei Eigenschaften verbessert. So soll der neue Fiesta leiser sein, verbrauchsärmer, effektiver Bremsen, verwindungssteiffer sein, etwas mehr Platz bieten und einiges mehr.

 

Ford will erkannt haben, dass immer mehr Menschen zwar ein kompaktes und sparsames Auto wünschen, aber immer mehr Wert auf gehobene Ausstattung und gute Qualität legen.
Der Fiesta soll diese Ansprüche erfüllen.

 

Zunächst wird die Motorenpalette mehr oder weniger zusammengestrichen.
Alle Benziner sind 3-Zylinder-Motoren. Alle verfügen über Start-Stopp-System.
Den Einstieg bildet ein 1.1 Liter in zwei Versionen (70 und 85PS mit 5-Gang-Schaltgetriebe).
Darüber rangiert der preisgekrönte 1.0 EcoBoost in drei Versionen (100, 125, 140PS; 6-Gang-Schaltgetriebe; teilweise mit PowerShift-Automatik kombinierbar [100PS]).
Die ST Versionen mit mehr Leistung ziehen wohl später nach. Möglicherweise ist auch eine RS-Version denkbar.

 

Spannend wird es auch auf der Dieselseite. Der 1.5 TDCI wird in einer 85PS Variante verfügbar sein und hinzu kommt eine mit ordentlichen 120PS. Beide haben ein 6-Gang-Schaltgetriebe und gerade letzterer verspricht Diesel-Freunden satte Fahrleistungen.

Zurück zu den Ausstattungsvarianten.

 

Interessant ist, dass auch der kleine Fiesta nun als luxuriöser Vignale verfügbar sein wird. Er wird mit noch mehr Chrom, gesteppten Leder, Sonderlackierungen und exklusiven Felgen den Titanium nach oben ergänzen.

Der Trend bildet weiterhin den Einstieg, wie man es auch von anderen Ford-Modellen schon kennt.

 

Für die, die es optisch sportlich mögen, wird es weiterhin die schon eingeführte ST-Line geben. Wer auch besonders sportlich fahren will, muss jetzt noch zugreifen oder länger warten.

Neu ist auch der Active. Was Ford hier als "Crossover im B-Segment" bezeichnet, wird wohl mit Schutzbeplankung und etwas mehr Bodenfreiheit in Richtung City-SÜVchen gehen.

Man darf gespannt sein, was sich bis zum kommenden Sommer noch so alles entwickelt und an Infos zu uns kommt.

Der Ford B-Max (Van im B-Segment, parallel zum Fiesta) wird ab Mitte 2017 nicht mehr angeboten werden. Ob es einen Nachfolger geben wird, ist noch offen.

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